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Unsere Eltern wehren sich: Demo gegen Lehrermangel

So sieht es aus, wenn Eltern für die Bildung ihrer Kinder kämpfen. Am 02. Juni 2017 fand auf dem Schulhof der GS am Bach eine Demo gegen die jahrelangen Versäumnisse der niedersächsischen Bildungspolitik statt.

Beschwerdebrief an die PolitikDer Schulelternrat überreicht der Landespolitik einen Beschwerdebrief (v.l.: Guido Rieche, Johann-Heinrich Ahlers, Frank Schmädeke, Hendrik Tonne, Mark Antelmann, Helge Limburg)© Grundschule am Bach

Um 7.50 Uhr ging es los. Geladen waren neben allen Eltern, Großeltern und sonstigen Angehörigen unserer Schüler die Landespolitiker der verschiedenen Parteien, die Landesschulbehörde und natürlich Vertreter der Presse, regional wie überregional. Es sollte eine große Sache werden und das war es auch.

 

Provokante Sprüche: Unsere Plakate sind ein Hingucker!Dieses Schaf spricht den Eltern aus der Seele! Vielen Dank Mark Antelmann für die pointierten Plakate!© Grundschule am Bach

 

Doch werfen wir zunächst einen Blick zurück. Worum ging es eigentlich? An der GS am Bach war im Schuljahr 2016/17 ein dramatischer Unterrichtsausfall zu verzeichnen, der vor allem auf den Umgang der niedersächsischen Landesregierung mit Bildung zurückzuführen war. Der Notstand begann, als sich eine Lehrkraft aus persönlichen Gründen in einen anderen Landkreis versetzten ließ. Die Stelle wurde zwar vom Land neu ausgeschrieben, doch wurde sie durch die verhältnismäßig schlechten Bedingungen in Niedersachsen (schlechte Besoldung im Bundesdurchschnitt, kein Weihnachtsgeld, etc.*) nicht neu besetzt. Eine weitere Lehrkraft fiel durch schwere Krankheit langfristig aus, hinzu kamen zwei Lehrerinnen, die in Mutterschutz gingen. Da diese drei Stellen nach niedersächsischem Landesrecht nicht ausgeschrieben werden können, sondern nur durch sog. Feuerwehrstellen = Abordnungen von anderen Schulen zu besetzen sind (wofür allerdings kein Personal vorhanden ist, wegen der oben genannten schlechten Bedingungen) fehlten unserer Schule vier ganze Lehrkräfte. Unser Rektor Herr Bicknäse ging (übrigens schon mit halbjähriger ‚Verspätung‘) Ende Januar in den Ruhestand und auch diese Stelle wurde nicht besetzt, so dass der Konrektor Herr Plorin dessen Aufgaben zusätzlich übernehmen musste.

Unser Schulelternrat unter dem Vorsitz von Herrn Rieche begann sich zu organisieren. Man wandte sich an die Landesschulbehörde, allerdings mit mäßigem Erfolg. Die Erreichbarkeit ließ sehr zu wünschen übrig und es wurden Bemerkungen geäußert, dass Unterricht auch mit 50 Kindern zu schaffen sei. Davon alarmiert entschloss sich der Schulelternrat zu einer Unterschriftensammlung, zu der Ermittlung der tatsächlichen Unterrichtsversorgung und schließlich zu einer Demo, um den öffentlichen Druck zu erhöhen.

 

Hendrik Tonne wird während seiner Rede ausgebuhtHendrik Tonne verspricht unter Buhrufen Besserung in der Lehrerversorgung© Grundschule am Bach

 

In großem Engagement startete die Korrespondenz mit Behörden, Politikern und Presse, es wurden Plakate entworfen und T-Shirts bedruckt, gar fuhren einige Mitglieder des Elternrates mit Hinweisen auf die Demo Werbung auf ihren privaten PKWs. Zur Veranschaulichung der Dringlichkeit wurde ein ‚Lehrer-Mobil‘ organisiert, das mithilfe von Sponsoring einer Lehrkraft für 1 Jahr zur Verfügung gestellt werden sollte, damit diese Lehrkraft auch längere Strecken nach Nienburg gut bewältigen kann.

Nachdem nun alles organisiert war kam der große Tag. Die erste Unterrichtsstunde fiel aus, damit auch die Schüler an der Kundgebung Teil nehmen konnten, während die Lehrer durch eine Dienstbesprechung nicht dabei sein ‚konnten‘. Leider ließ sich unser Bürgermeister Herr Onkes entschuldigen. Die beiden Vertreter der Ortsräte Frau Feske und Herr Hauschildt hingegen waren in eigener Person vor Ort. Vertreter der FDP und der Linken sind trotz anfänglicher Zusagen letztendlich doch nicht erschienen. Herr Hippenstiel von der Landesschulbehörde war anwesend, verzichtete aber auf das Zwiegespräch am Rednerpult. Ansonsten mussten Herr Ahlers und Herr Schmädeke (CDU), Herr Tonne (SPD) und Herr Limburg (Die Grünen) den etwa 600 Anwesenden Rede und Antwort stehen.

 

Helge Limburg in Diskussion mit den ElternHelge Limburg stellt sich der Diskussion mit unseren Eltern© Grundschule am Bach

 

Nachdem unser Schulelternratsvorsitzende Herr Rieche die dramatische Situation des Alltags an der GS am Bach geschildert hatte (u.a. Zusammenlegung der ersten Klassen von 4 auf 3, gemeinsamer Sportunterricht von zwei Klassen, tatsächliche Unterrichtsversorgung von unter 74 %), überreichte der Elternrat den Politikern einen symbolischen Beschwerdebrief.

Herr Tonne wie Herr Limburg, deren Parteien zur Zeit die Regierung im niedersächsischen Landtag bilden, verwiesen beide auf den bundesweiten Lehrermangel und die Möglichkeit der Verpflichtung von ‚Quereinsteigern‘ und Abordnungen. Nachdem Herr Tonne die Genehmigung einer weiteren Lehrerstelle für die GS am Bach anführte, rief ihm eine erboste Mutter zu, dass doch fünf Stellen und nicht 2 benötigt würden. Tonnes Rede wurde von einigen Buhrufen unterbrochen, er lud jedoch unseren Elternrat zu einem Gespräch ins Kultusministerium nach Hannover ein. Herr Limburg stellte sich der Diskussion mit den Eltern und räumte auf eine Frage ein, dass es sich ihm auch nicht erschließe, warum es seit den 70er Jahren keine verlässliche Lösung für den immer wieder kehrenden Lehrermangel gäbe. Die Landesregierung wolle nun Maßnehmen wie die schnellere Anerkennung von ausländischen Lehrabschlüssen und die Erhöhung der Plätze in Studienseminaren umsetzen.

 

Schüler protestieren gegen LehrermangelMit Trillerpfeife und selbst gemaltem Plakat protestieren unsere Schüler gegen den massiven Unterrichtsausfall© Grundschule am Bach

 

Nach der Kundgebung am Pult hatte die Presse Gelegenheit für Interviews mit Eltern und Politkern. Der Elternrat übergab die Unterschriften und den ‚echten‘ Beschwerdebrief an Herrn Hippenstiel.

 

Nach der Kundgebung am Rednerpult wurden Eltern und Politiker interviewtNach der Kundgebung: Die Harke und Radio Mittelweser interviewen Lokalpolitiker und Eltern© Grundschule am Bach

 

Haben unsere Eltern etwas bewirkt? Zumindest gab es Beiträge in der Presse in Form des gedruckten Wortes (z.B. Titelseite Die Harke 03.06), digital (Bild.de) mündlich (Radio Mittelweser) und auch als Filmbeitrag, z.B. Sat1regional (02.6.). Was sich daraus nun entwickelt bleibt abzuwarten.

 

Elternrat und Lehrer-MobilMatthias Brosch vom Elternrat sagt seine Meinung. Im Hintergrund steht das 'Lehrer-Mobil', das neue Lehrer locken soll.© Grundschule am Bach

 

 

Zur Erklärung:

Dies ist die Seite des Fördervereins der GS am Bach. Ich weise noch einmal darauf hin, dass die Demo nicht vom FV, sondern von Schulelternrat unserer Schule organisiert wurde. Aber es sind viele Vorstandsmitglieder des FV gleichzeitig Mitglieder des Elternrates und haben sich hier mit engagiert. Das Wohl unserer Kinder geht uns alle an!

 

 

 

*Laut Philologenverband, Artikel 28.April 2017, ‚Die Harke‘

Meldung vom 08.06.2017Letzte Aktualisierung: 04.09.2017


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